Kritik und Krise im Zeitalter des Neoliberalismus

Veröffentlicht: Oktober 31, 2011 in Allgemein
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Vortrag und Diskussion mit Gerhard Stapelfeldt

10.11.2011, 20.00 Uhr, im P10, Philosophicum, Uni-Campus

Die Krise ist in aller Munde. Für die Peter Zwegats der Nation sind die Schuldigen ausgemacht. Gierige Manager und Spekulanten einerseits, arbeitsscheue Südländer andererseits sollen dafür verantwortlich sein, dass der kleine Mann zur Kasse gebeten wird, um den Betrieb am Laufen zu halten. Nicht, dass es keinen Grund zur Empörung gäbe! Jedoch, dass die Masse im Namen der „Realwirtschaft“ gegen Bankenmacht und Ratingagenturen zürnt und zu öffentlichen Anti-Gier-Gelöbnissen mobilisiert statt einen vernünftigen Weg raus dem „Schuldzusammenhang“ (Walter Benjamin) des Kapitals zu eröffnen, verdeutlicht nur aufs Neue den Funktionswandel ökonomischer Krisen und besiegelt die Krise der Revolutionstheorie. Die episodisch auftretenden Reibungen im Verwertungsgetriebe verursachen, anders als zu Marxens Zeiten noch zu hoffen war, längst nicht mehr den kommunistischen Funken, an dem die immanenten Widersprüche kapitalistischer Produktion sich entzünden. Im Gegenteil: Sie sind zu Sollbruchstellen einer globalen Ressentimentmaschine geworden, die den Frust und die Angst der Subjekte durch Formen autoritärer Unterwürfigkeit und Aggression funktionalisieren. Auch unter Ökonomen gilt individuelles Fehlverhalten mithin als Ursache struktureller Störungen. Die Krisendiagnose wird lediglich in einer weniger derben Sprache vorgetragen. Die Überproduktion von Kapital wird als „Überkonsum“, die Entwertung von Kapital als „Unterkonsum“ den Individuen und ihrer mangelhaften Anpassung an die unergründlichen Gesetze des Marktes in Rechnung gestellt, während dem neoliberalen Staat die Aufgabe zufällt, die spontane Wettbewerbsordnung als Ganze zu installieren und zu überwachen.

Über die Bedeutung der Krise in Zeiten des Neoliberalismus, den Unterschied zwischen einer Kritik der Gesellschaft in der Tradition von Marx oder der Kritischen Theorie und den Moralbeschaffungsmaßnahmen derer, die sich als Ingenieure eines nachhaltigen Kapitalismus empfehlen, sowie über die Wahlverwandtschaft von Neoliberalismus und Antisemitismus möchten wir mit Gerhard Stapelfeldt diskutieren. Gerhard Stapelfeldt lehrte als Professor für Soziologie bis 2009 an der Uni Hamburg und befasst sich vor allem mit kritischer Theorie und der Kritik der politischen Ökonomie. Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit JD/JL RLP statt und ist auch auf Facebook zu finden.

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